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Geschichte der Eisenbahn in Tunesien


Die Geschichte der Eisenbahn in Tunesien kann nicht isoliert betrachtet werden. Die allgemeine Entwicklung und die Situation in den Nachbarländern sind auch hier bestimmende Faktoren. Zu den Nachbarländern Tunesiens an der Südküste des Mittelmeeres gehören selbstverständlich auch dessen nördliche Anrainer. Das Land mit einer weit zurückreichenden Siedlungsgeschichte trat mit den punischen Kriegen und der Zerstörung Karthagos, der großen Rivalin Roms, ins Gesichtsfeld Mitteleuropas. Als römische Provinz Ifrika war das Land danach Teil des römischen Reiches. Mit der Ausbreitung des Christentums wurde Ifrika zu einem seiner Stammländer, der Kirchenvater Augustinus studierte in Tunis.

Mitte des 7. Jahrhunderts breitete sich der Islam entlang der Mittelmeerküste bis nach Spanien aus. Um 670 gründeten die vorrückenden Araber Kairouan. Diese mitteltunesische Stadt war lange Zeit das geistige Zentrum des Islam. Sie ist immer noch eine seiner vier heiligsten Städte. Das jetzt islamische Tunesien wurde Teil des Osmanischen Reiches. Ab 1705 führten die Beys das Land mehr und mehr in die Unabhängigkeit unter nominal osmanischer Oberherrschaft.

Im "langen 19. Jahrhundert" änderte sich die Situation in Europa und im angrenzenden Mittelmeerraum dramatisch. Mit der französischen Revolution begann 1789 sichtbar der Niedergang der aristokratischen Weltordnung, der 1914 – 1918 im 1. Weltkrieg kulminierte. Das rationale Denken begünstigte die Entwicklung der Technik und eine neue Wirtschaftsordnung. Viele europäische Mächte wetteiferten jetzt weltweit um Kolonien. Triebfeder war nicht mehr nur die Gier nach Macht und Reichtum, sondern auch der Hunger der neu entstehenden Industrie nach Rohstoffen und der buchstäbliche Hunger einer rasch wachsenden Arbeiterschaft. Deutschland war noch keine politische Einheit, die einzelnen Staaten wetteiferten auf dem Gebiet der Kultur und der Wissenschaft. Kolonien waren höchstens ein Randthema.

Das Jahr 1869 markiert eine kleine Zeitenwende, jedenfalls aus europäischer Sicht: Der Suezkanal verkürzte den Seeweg nach Indien. Eine internationale britisch-französisch-italienische Finanzkommission beaufsichtigte die Staatsfinanzen Tunesiens, das seinen Staatsbankrott erklärt hatte. Für Frankreich und das neu entstandene Königreich Italien war Tunesien die Gegenküste, aus damaliger Sicht ein natürliches Gebiet zur Expansion und landwirtschaftlichen Kolonisierung. Für Großbritannien war Bizerte in Tunesien ein begehrter Stützpunkt am Zugang zum Suezkanal. Der Bey versuchte mit einer Schaukelpolitik seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Als Folge des Deutsch-Französichen Krieges 1870 verlor Frankreich Elsaß-Lothringen und als neue Großmacht trat das Deutsche Reich auf. Nach dieser Schwächung suchte Frankreich dringend Erfolge im Mittelmeer.

Das deutsche Reich, damals noch ohne Kolonien, galt den anderen Großmächten als Makler, 1878 war es Gastgeber des Berliner Kongresses. Vorrangig ging es um die Beendigung der Balkankrise, um die Grenzen des neu entstandenen Griechenlands und allgemein eine Friedensordnung für Südeuropa. Großbritannien erhielt Zypern als Flottenbasis und stimmte zu, Frankreich Tunesien zu überlassen. 1881 bot ein lokaler Konflikt an der Grenze zum französischen Algerien Frankreich den Vorwand zum Einmarsch, zur "Befriedung" Tunesiens.

In dieser Zeit des Umbruchs begann die Geschichte der Eisenbahn in Tunesien:

 
 
     
© Trägerverein HST e.V.
Text und Gestaltung: Rudolf Barth