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Normalspur – Betrieb im Norden


Tunis – Jedeida – Beja – Ghardimaou

Die "Compagnie des chemins de fer Bône–Guelma" baute die Bahnlinie von Tunis nach Westen zur algerischen Grenze. 1878 begann der Betrieb des ersten Teilstücks, 1880 war der Grenzort Ghardimaou erreicht. 1882 wuchs die Strecke nach Süden bis ins etwa 17 Kilometer von Tunis entfernte Hammam Lif. Seitdem erfuhr die Strecke weitere Veränderungen: Die Verlängerung nach Hammam Lif ist seit 1897 Teil des Meterspurnetzes. Die heutige Linienführung Tunis – Ghardimaou entspricht auch nicht mehr ganz der ursprünglichen.

In der Zeit des Protektorats und der Kolonialherschaft Frankreichs in Tunesien, Algerien und Marokko hatte die Eisenbahn parallel zur Mittelmeerküste strategische Bedeutung. Auf der über 2.000 Kilometer langen normalspurigen Bahn verbanden komfortable durchgehende Reisezüge die Verwaltungszentren Tunis, Algier und Casablanca mit einer Fahrzeit von insgesamt vierzehn Stunden. Der Transmaghrebexpreß verkehrte 1960 wegen des Algerienkrieges vorübergehend nicht. Ab 1981 bediente der Express Marokko nicht mehr, 1994 wurde die Grenze zwischen Marokko und Algerien ganz geschlossen.

Bis etwa 1986 gab es Kurswagen zwischen Algier und Tunis, heute ist die reine Fahrzeit mit der Eisenbahn von Algier allein ins algerische Souk Ahras deutlich länger als damals die Fahrt bis Tunis. Dazu kommt eine Wartezeit von etwa 11 Stunden in Annaba, insgesamt fast 24 Stunden Fahrt statt 14 Stunden über eine mehr als dreimal so lange Distanz. Zwischen Souk Ahras in Algerien und Ghardimaou in Tunesien liegen die Gleise und die algerische Staatsbahn hat Betriebsrechte. Aber, es fährt kein Personenzug mehr über die Grenze. Auf 70 Kilometer ist der Fahrgast auf den Bus oder das Sammeltaxi angewiesen.

Ab Ghardimaou behielt die Strecke im Binnenverkehr ihre Bedeutung. Sie wurde in den letzten Jahren für höhere Geschwindigkeiten und Achslasten ertüchtigt. Die Fahrzeit nach Tunis beträgt etwa drei Stunden. Als letztes Zeugnis ihrer internationalen Bedeutung trägt die Strecke von Tunis zur algerischen Grenze die Bezeichnung TA, abweichend von der sonst üblichen Numerierung.


(Tunis –) Jedeida – Bizerte / Menzel Bourguiba

1881 landet ein 6000 Köpfe starkes französisches Expeditionscorps im alten Hafen von Bizerte und erzwingt bald darauf das Protektorat. Angesichts der strategischen Lage von Bizerte am Mittelmeer stärkt die Protktoratsmacht den hier gewonnenen Stützpunkt:
•   1886 Baubeginn für einen neuen Hafen
•   1892 verbindet ein Kanal das Mittelmeer mit dem See von Bizerte als natürlichem Tiefwasserhafen
  im Süden des Sees entsteht eine Reede und am Nordufer die Stadt Ferryville
•   1894 erreicht die Eisenbahn, von Jedeida kommend Bizerte
  eine vier Kilometer lange Stichstrecke von Tinja bindet Ferryville an

Jules Ferry stand als französischer Ministerpräsident hinter der Unterwerfung Tunesiens. Heutiger Namensgeber der Stadt ist Habib Bourguiba, der erste Präsident des unabhängigen Tunesien.

Anfang des 20. Jahrhunderts war Bizerte ein wichtiger Verladehafen für Erz. Die Minen sind in Nordtunesien sind heute erschöpft. Erz aus den algerischen Minen kommt nicht mehr über die Grenze. Trotzdem ist die Bahnlinie nach Bizerte auch heute wichtig. Sie wurde ebenfalls modernisiert. Im Personenverkehr stellen vier Zugpaare täglich die Verbindung zur Hauptstadt mit einer Fahrzeit von weniger als zwei Stunden her.


Beide beschriebenen Strecken verbindet die Linie 3 Sidi M'Himech – Mateur. Sie gehört mit anderen Linien im Norden zu den derzeitigen verweis Normalspurstrecken ohne Betrieb in Tunesien.

Kartographie: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Digitale Bearbeitung: Rudolf Barth, frei nutzbar unter Lizenz CC BY 2.0
Bahnhof Ghardimaou, Wikimedia (Lizenz CC-BY-SA 2.3)
Collection personnelle Bertrand Bouret
© Trägerverein HST e.V.
andere Photos, Text und Gestaltung: Rudolf Barth