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Linienplan der Metro du Sahel, (Deckblatt des Taschenfahrplans)
Metro du Sahel


Metro du Sahel

Metro du Sahel, Einfahrt in den südlichen Endbahnhof Mahdia

Die Küste südlich von Sousse bis Mahdia, das tunesische Sahel, wird von der Metro du Sahel bedient. Im Stadtgebiet von Sousse verläuft die Eisenbahn auf Straßenniveau, sie ist hier für einen häufigen Verkehr ungeeignet. Die Metro du Sahel kann deshalb den Hauptbahnhof nicht bedienen und beginnt erst im Südden der Altstadt, am "Neuen Stadttor". Die erste elek­trifizierte Vollbahn­ Tunesiens verläuft auf ganzer Strecke oberirdisch und ist nach deutschen Begriffen eine S-Bahn. Um die Ortsdurchfahrt auch von durchlaufenden Zügen des Fern- und Güterverkehrs zu entlasten, wurde 2003 die kurze Spange Kalaa Sghira – M'saken eröffnet. Seither durchquerten nur noch einzelne Züge die Stadt Sosse.

Der erste Teil der Metro, der Abschnitt Sousse – Monastir ging Mitte 1984 in Betrieb, Monastir – Mahdia folgte drei Jahre später. Von Sousse (Sud) bis Moknine wurde die Strecke neu gebaut, für die Fortsetzung nach Mahdia gehen die Meinungen auseinander. Ein Zeitzeuge ist sich sicher, dort lagen vor dem Bau der Metro nie Gleise. Verschiedene ältere Quellen sprechen hingegen von einer Schienenverbindung von Moknine nach Mahdia.

Moknine war vor 1900 Endpunkt der Bahnlinie von Tunis nach Süden über Sousse und M'Saken. Der Weiterbau bis Sfax entlang der Küste war geplant. Statt dessen wurde die kürzere Strecke nach Sfax von M'Saken über El Jem gebaut und 1911 eröffnet. Die heute noch bestehende Reststrecke M'saken – Moknine dient dem Güterverkehr. Sie endet am Güterbahnhof und hat keine Verbindung zur Metro du Sahel.

Eine Bahnstrecke zwischen Moknine und Mahdia ist in einer Quelle 1916 erwähnt. Ein Fahrplan von 1921 weist einen Personenzug täglich zwischen Sousse und Mahdia auf. Seine Reisegeschwindigkeit von weniger als 20 Stundenkilometern läßt auf einen sehr schwachen Unterbau auf zumindest einem Teil der Strecke schließen. Sämtliche in den alten Quellen angegebenen Halte zwischen Moknine und Mahdia sind heute Stationen der Metro du Sahel. Bei einem Zeitzeugen bedeutet heute "nie" soviel wie "nicht nach dem 2. Weltkrieg". Zusammengenommen liegt der Schluß liegt, daß eine alte und leicht gebaute Strecke irgendwann teilweise abgetragen wurde und die Metro du Sahel die alte Linienführung weitgehend wieder aufgriff.

Es gibt auch Zukunftspläne: Seit Jahren ist vorgesehen, die Stadtstrecke in Sousse tiefer zu legen. Dies hat aber offensichtlich keine Priorität. Sfax, wirtschaflicher Mittelpunkt des Südens und zweitgrößte Stadt Tunesiens, leidet unter ausuferndem Individualverkehr und einem ungenügenden Öffentlichen Verkehr. Hier soll eine Stadtbahn entstehen. Mit dem Blick auf das nördlich gelegene Sahel und seine vorbildliche Metro taucht immer wieder der Gedanke einer Verlängerung der Metro von Mahdia nach Sfax auf. Alternativ ist eine Bahn von Sfax in Richtung Norden im Gespräch, sei es als Stadtbahn oder als Vollbahn. Die ursprünglich geplante Küstenstrecke, deren Konzession zumindest bis zum Ende der Protektoratszeit bestand, könnte Vergangenheit und Zukunft zugleich sein.


Karte Metro Sahel: SNCFT, Faltblatt Fahrplan © Trägerverein HST e.V.
Photos, Text und Gestaltung: Rudolf Barth