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Küstenstrecke und Bahnen auf dem Cap Bon
(Tunis – Borj Cedria –) Bir Bouregba – Nabeul


Griechische Kolonisten gründeten an der Südküste des Cap Bon im 5. Jahrhundert v. Chr. eine Hafenstadt mit Namen "Neapolis", das heutige Nabeul. So alt ist die Eisenbahn nicht, aber bereits 1895 führten Bahnlinien auf die Halbinsel. Am 26. August gingen die meterspurigen Stecken Hammam-Lif – Grombalia und, davon abzweigend, Fondouk Jedid – Soliman – Menzel Bou Zelfa in Betrieb. Ihnen folgte am 18. November Grombalia – Bir Bouregba – Nabeul. Die nördliche Strecke wuchs über Menzel Bou Zelfa hinaus: Bereits 1918 war Henchir Lebna an der Ostküste erreicht, der letzte Wachstumsschritt 1940 abgeschlossen. Die Eisenbahn führte jetzt kriegsbedingt weiter zu den Braunkohlebergwerken im Norden der Halbinsel. Nach kurzer Blüte war etwa 1960 die gesamte nördliche Linie Vergangenheit.

Heute geht ab Borj Cedria eine ganz kurze Strecke ins Cap Bon nach Erriadh. Die Linie A der RER endet dort neben dem Depot. Eine seit über 30 Jahren geplante Verlängerung auf einer neuen Trasse bis Soliman geistert immer wieder mal durch die Presse.

Nabeul

Bahnhof Bir Bouregba: Zug nach Nabeul
 
Nabeul

Bahnhof Nabeul: Triebwagen von Alstom und CFD

beide Aufnahmen vom September 2011

Die südliche Bahnlinie, heute Linie 10, hat überlebt. Der Bahnhof Bir Bouregba wurde im Zuge des Doppelspurausbaues der Nord-Süd Küstenstrecke in den 1990er Jahren komplett neu gebaut. Die Strecke nach Nabeul erhielt dabei eine bessere Einbindung. Ohne die Hauptstrecke zu kreuzen führt jetzt die Strecke in einem grossen Bogen nach Südosten und erreicht nach vier Kilometern den Bahnhof von Hammamet, dem wohl traditionellsten Ferienort an der tunesischen Küste. Hammamet punktet mit schöner Altstadt (Médina), vielen Hotels und langem Sandstrand.

Von Hammamet führt die Bahnlinie auch heute noch weiter bis zum Endbahnhof Nabeul. Sie verbindet die beiden touristisch sehr wichtigen Städte an der Südküste des Cap Bon sowohl untereinander als auch in Bir Bouregba mit den Zügen der Küstenlinie und in Borj Cedria mit der RER. Die Bahnlinie dient auch dem Mobilitätsbedürfnis der Wohnbevölkerung am Rande des Großraums Tunis.

Der Personenverkehr auf der Linie 10 und der Vorortverkehr von Tunis standen immer in einer Wechselwirkung. Die ursprünglich in Normalspur errichtete Vorortstrecke Tunis – Hammam-Lif erhielt 1897 Meterspur. Auch nach der Umstellung endete der Vorortverkehr von Tunis (Banlieue Sud de Tunis) in Hammam-Lif.

Wendezug

Banlieue Sud: Wendezug 1997

Sehr früh fuhren dort Wendezüge mit Diesellok. In den 1970er Jahren wurde diese dieselbetriebe S-Bahn bis Borj Cedria verlängert. Seit August 2011 ist die Strecke elektrifiziert, die RER-Linie A bedient jetzt als neue Endstation auch Erriadh.

Weiter nach Süden fuhren und fahren die Fernzüge der Küstenbahn. Nabeul wurde mit Pendelzügen an die Fernzüge angebunden. Sehr früh kamen dafür Triebwagen unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz. Ab den 1960er Jahren fuhren täglich zwei bis vier Züge über Bir Bouregba hinaus nach Tunis (und zurück). Um den Fernverkehr zu entlasten übernahmen sie auch den Nahverkehr südlich von Hammam-Lif. 2016 kam eine wesentliche Neuerung: Die Pendelzüge fahren jetzt mit einem dichten Fahrplan über Bir Bouregba hinaus bis Borj Cedria. Dort stellen sie den Anschluß an die Linie A her. In der Stoßzeit laufen weiterhin einzelne Züge bis Tunis durch.

Ab Mitte der 1970er waren die Flèches-Bleues von Alsthom (heute Alstom) typisch für die Strecke. Heute bewältigen Triebwagen von CFD (Frankreich, 2007) sowie 2013 gelieferte Triebwagen aus China den Verkehr. Von den 20 für Normal- und Meterspur beschafften zweiteiligen chinesischen Triebwagen waren im September 2017 nur noch insgesamt 7 betriebsbereit. Nach Nabeul kommt deshalb vereinzelt wieder altes Wagenmaterial.


Kartographie: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Digitale Bearbeitung: Rudolf Barth, frei nutzbar unter Lizenz CC BY 2.0
Photos Dr. Konrad Schliephake(2), Thomas Grell
© Trägerverein HST e.V.
Text und Gestaltung: Rudolf Barth
unter Verwendung von Material von Samuel Rachdi, FAHRPLANCENTER